Die Gedankensplitter liegen herum, ich tret‘ rein #1

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VORWORT

Die nachfolgenden Texte dieser Gedankensplitter Reihe habe ich ca. 2013/14 geschrieben. Der Inhalt entstammt einzig und allein aus meinen persönlichen Erinnerungen oder Erzählungen Dritter, daher kann ichnicht mit Sicherheit sagen, ob das alles  im Detail so den Fakten entspricht.

Obwohl ich einiges so heute wahrscheinlich nicht mehr schreiben und veröffentlichen würde, habe ich im Vorfeld nur einmal korrektur gelesen, damit alles authentisch bleibt.

 

1

 

Ich hatte immer viel zu meckern. Alles mögliche hat mich aufgeregt und auf die Palme gebracht. Seien es Vorschriften meiner Eltern, wenn meine kleine Schwester mal wieder meine Schminke geklaut hatte oder einfach nur ein Stolperstein auf meinem Weg zur Schlule.

2010, kurz nach dem Krankenhausaufenthalt, während der Reha in Bad Segeberg kurz vor Weihnachten:

Ich sitze auf einem Stuhl im Flur in einer halb leeren Wohnung, mein Exfreund kniet ein paar Meter von mir entfernt im Schlafzimmer und schraubt unser Bett auseinander, das wir 4 oder 5 Monate zuvor erst aufgebaut hatten. Beide schweigen, viel gibt es nicht mehr zu besprechen. Irgendwie fühle ich mich hilflos. Überall stehen vollgestopfte Kisten mit meinem Zeug drin. Seine Sachen sind wahrscheinlich schon länger nicht mehr hier, ich weiß es nicht, denn ich war auch lange nicht mehr hier. Im Wohnzimmer steht unsere neue Shisha auf dem 1-Euro-Tisch, den wir per Selbstabholer mit einem engen Freund von irgendwelchen Leuten abgeholt haben. Das war im Frühjahr – Ich hatte angefangen zu studieren und an der Kasse bei ‚Ihr Platz‘ zu arbeiten. Wir zogen nach gut 2 Jahren Beziehung endlich zusammen in eine 2,5 Zimmer Wohnung in die Innenstadt. Für mich war das so etwas wie ein Befreiungsschlag von meinen Eltern, denn seit ich denken kann, gab es immer irgendwie Stress zu Hause. Damals war ich mir sicher, dieser Mann ist was für die Ewigkeit. Schlau, liebenswürdig, dunkle lange Haare, groß…genau mein Ding. Natürlich gab es immer wieder Reibungspunkte, aber wo gibt es die nicht. Im Großen und Ganzen war ich zu diesem Zeitpunkt des Zusammenziehens schon ziemlich glücklich.

Ich weiß nicht mehr genau, wann die Kopfschmerzen anfingen, aber auf einmal waren sie da. Heftig und irgendwann nicht mehr zu ignorieren, wie ich es eine ganze Weile getan hatte. Und irgendwann in der Zeit, fing ich auch an mich zu verändern. Ich war viel schneller reizbar, immer schlecht gelaunt und unfähig, körperliche Nähe zuzulassen…mir tat alles weh und die Überempfindlichkeit nahm Überhand.

Das alles wusste ich erst jetzt im Nachhinein, wo ich da in der Wohnung auf meinem Stuhl sitze und die Scherben in meinen Händen halte. Ich habe nichts von Diesen Veränderungen mitbekommen, aber für meinen Freund muss es schlimm gewesen sein.

Eine einzige Frage stellt sich mir in diesem Moment…WAS wäre wenn…ich nicht krank geworden wäre, wären wir dann jetzt noch zusammen? Offenbar habe ich diese Frage laut ausgesprochen, denn er kommt zu mir, umarmt mich und wischt die Tränen weg, die heiß über mein Gesicht laufen. Ich spüre seinen warmen Körper bei der Umarmung auf mir ruhen. Er gibt sich glaube ich Mühe, nicht zu weinen, aber ich merke das Beben seines Oberkörpers. Dieser Moment ist so paradox. Wir sind uns gerade so nahe, aber doch so fern. WIE fern sollte ich erst Jahre später erfahren.

Wir gehen ins Wohnzimmer, er schlägt vor, dass wir noch einen letzten Kopf zusammen rauchen. Shisha, das ist das Dümmste was ich tun kann, mein Arzt hat es mir verboten. Und doch tue ich es…vielleicht um ihm noch ein letztes Mal nahe zu sein. Ich weiß, dass es das letzte Mal sein wird. Wir schweigen, rauchen. Auf einmal ohrenbetäubender Lärm. Der Rauchmelder ist angegangen und meldet Feuer. Wir erschrecken uns zu Tode, aber im gleichen Augenblick müssen wir beide lachen. Die 2te paradoxe Situation. Wir lachen uns tot, aber tot ist eigentlich nur das Feuer zwischen uns. Das weiß er, das weiß ich. Und doch wünschte ich, es wäre anders.

“The willow, it weeps today
A breeze from the distance
Is calling your name
Unfurl your black wings and wait
Across the horizons
It’s coming to sweep you away
It’s coming to sweep you away

Let the wind carry you home
Blackbird, fly away
May you never be broken again…..”

(Alter Bridge – Blackbird)

 

Es klingelt an der Tür. Meine Mutter holt mich ab. Er nimmt meine Hand. Ich habe Angst vor den Treppen, aber er hält mich. Er ist für mich da, fängt meine Angst auf. Wie damals. In dem Moment ist es mir egal, ob er das nur seines Gewissens wegen oder aus Zuneigung tut.

Ich steige ins Auto und wir fahren. ich erwische mich dabei, wie ich ihm hinterher gucke und wende meinen Blich schnell ab.

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Myspacetext 2010:

„Und wenn du lange genug in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“ (F. Nietzsche)

Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei Myspace um eine reine Selbstdarstellungsseite handelt, sollte ich diesen Zweck so langsam auch mal erfüllen.

Ich bin Crissi, 20 Jahre jung. Ich komm‘ aus der schönen norddeutschen Stadt Lübeck.
Ich liebe meine Stadt, aber die meisten Menschen hier sind mir relativ egal. Das, was sich hier „Schwarze Szene“ nennt, interessiert mich mit ihren Kleinkriegen und Machtkämpfen nicht sonderlich, auch wenn ich der Musik dieser Sparte nicht gerade abgeneigt bin. Ich bin eine Freundin der bangbaren Töne, aber die leisen mag ich auch, ich bin da sehr pflegeleicht und offen.
Ich geh‘ nicht oft auf Parties, aber wenn man mich doch mal irgendwo antrifft, dann reicht mir das auch für nächsten paar Wochen.
Ich habe eine wunderbare bessere Hälfte, die das alles ist, was ich brauche und diesen Menschen will ich auch sicher nichtmehr missen. Mein bester Freund ist nach Freiburg gezogen und hat eine große unauffüllbare Lücke hinterlassen, die sich wohl nichtmehr so leicht schließen lassen wird.
Im September ’09 habe ich begonnen, an der WKS Lübeck Kommunikationsdesign und neue Medien zu studieren & ich bin bis jetzt sehr zufrieden damit.
Hinter all‘ Diesem, spielen Bücher eine große Rolle in meinem Leben. Sie geben mir die nötige Ablenkung vom alltäglichen Leben und lassen mich in anderen Welten schweben. Ich behaupte mal, dass meine Sammlung schon recht groß ist. Lesen ist genauso wie Essen ein Thema in meinem Leben. Ich bin Vegetarierin aus Überzeugung, esse weder Fleisch noch Fisch, aber ich toleriere Menschen, die da eine andere Lebensweise haben.
Nicht zu vergessen die DSA-, Film- oder Zockabende mit meinen Freunden, die wir desöfteren zelebrieren. Auch solch‘ Aktivitäten, die sich auch gerne mal in andere Dimensionen begeben, sind ein wichtiger Teil in meinem Leben.
Ansonsten bin ich wohl recht uncool, aber reden kannst du trotzdem mit mir, denn ich bin zwar klein, aber ich hab‘ ein großes Herz. Danke für deine Aufmerksamkeit.

Kunst über Vernunft.

[…]Die Geschichte unseres Lebens – eines jeden Lebens
die Lebensgeschichte eines jeden
auf dem Planeten des ewigen Regens

Es scheint, als hallten Schreie durch verlorene Gassen
Diese Stadt ist von Gott verlassen.
Es ist nicht gut um uns bestellt und den meisten gehts schlecht.
Und alle reden vom Ende der Welt – und haben Recht.
Dies ist das Ende der Poesie und jeder Menschlichkeit
Der Tod der Harmonie macht euch zu Krüppeln dieser Zeit
Es werden Meinungen zu Mörderminen, jeder Mensch zu Stacheldraht
und andern zu helfen wird Hochverrat.
Die Fronten klaffen wie Wunden, ihr verletzt euresgleichen
Eure Meinungen sind Lauffeuer und gehn über Leichen,
Dieser Rufmord an jedem führt uns und den Planeten
in ein Leben mit ewigem Regen.
(Thomas D – Auf dem Planeten des ewigen Regens.)

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Heute Abend noch fahren wir zurück in die Reha. Mein Zuhause auf Zeit  seit ein paar Monaten.

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