ASP – von Hassliebe, Bewunderung und Trance 

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Bleiben wir direkt mal bei der Wahrheit – als ich die Band ASP ungefähr 2011 zum ersten Mal hörte und anfing, mich mit ihr zu beschäftigen, fand ich sie nicht gerade toll. Ich hatte keinerlei Ambitionen zu einem Konzert zu gehen oder so.

Mit den Jahren hatte ich dann immer mal wieder Hörbegegnungen auf Partys oder bei Freunden und sogar auf dem M’era Luna 2015 als Headliner, doch sie blieben immer diese typische ‚ganz nett, aber uninteressant‘ Band. Böser Fehler – weiß ich jetzt auch. ^^

 

Mein Freund dagegen ist ein riesiger ASP Anhänger und schleppte mich deshalb vor ca. 1,5 Jahren mit zu einem Konzert. Ich dachte mir, ich mache das Beste daraus und gebe dem ganzen noch mal eine Chance, denn meiner Erfahrung nach wirken Künstler mit ihrer Musik live und vor allem auf ihren eigenen Kozerten immer noch mal etwas anders. Da stand ich also in der randvollen Markthalle in Hamburg.

Nun, ich musste danach zwar zugeben, dass mich die Stimmung und die Atmosphäre der ganzen Veranstaltung auch mit gerissen und beeindruckt hatte, Alexander Spreng fand ich aber gelinde gesagt immer noch nicht sehr sympathisch. Sein ganzes Auftreten und dieses für mich aufgesetzt wirkende ständige ‚Ihr schönen Menschen’…wow, welch Heuchelei.

 
Die Wendung kam dann, als wir uns entschlossen zur Intimus pur & rar Tour zu gehen.

Ein kleiner Club, außergewöhnliche Songs, diese wahrhaftig grandiose pure Stimme. Mehr muss ich eigentlich nicht sagen..

Auf diesem Konzert jedenfalls wurden Songs gespielt, die sonst nie gespielt werden. Und das in einer Darbietungsweise, die einfach wirklich rar & pur war.
Irgendwie hat er mich damit dann gecatcht und ich war das ganze Konzert über wie in einer Blase. Ich habe nur die Worte in meinem Kopf und die Musik bzw. den Bass am ganzen Körper gespürt und alles um mich herum vergessen.

Wenn das passiert, ist das das ultimative Indiz für mich, dass das Konzert quasi erfolgreich war. Wenn man alle Schmerzen und Sorgen um sich herum vergisst, dann hat der Künstler alles richtig gemacht. Das kann man schon irgendwie so als meinen persönlichen Maßstab betrachten denke ich.

Ab dem Zeitpunkt war ich Feuer und Flamme und wollte ums Verrecken meine Meinung über ASP ändern, weil ich mir dachte – jemand, der einen so berühren kann, der kann nicht eingebildet und abgehoben sein.

Ich habe mich dann eingehend mit der Band und Alexander beschäftigt, mit den Zyklen und deren Hintergrund.

Das ganze beweist doch mal wieder –  Wenn man keine Ahnung hat einfach mal die Fresse halten 😀

Ich glaube Alexander Spreng ist einer der wenigen Künstler die mir so bekannt sind, die mit ,Haut und Haaren ihre Texte schreiben und so voller Inspiration und Kreativität sind, dass es schon fast weh tut, weil es so umfassend tiefgängig ist.

Danach war ich noch auf zwei weiteren Konzerten, zuletzt erst vor 2 Wochen auf der Tour zum neuen Album „zutiefst“.

Ich habe mich kurz vor Anfang der Show dabei erwischt, als es hieß „keine Fotos, keine Videos, Handys weg“, wie ich so in mein altes Denkmuster fiel und  dachte: ‚wow, jetzt wird er aber übergeschnappt, bloß keine Videos bei YouTube, nachdem das neue Album nicht mal bei Spotify online gekommen ist, damit alle schön das Album kaufen oder zu den Konzerten kommen. ‚

Tja Leute, was soll ich sagen? Das ist mal wieder typisch ich, erstmal nicht nachdenken sondern direkt feuern.

 

NATÜRLICH ist es für die Künstler scheiße, wenn Songs vom neuen Album direkt auf YouTube landen und NATÜRLICH stört es irgendwie, wenn es ständig blitzt. Die Welt wird schon genug von Technik bestimmt, da kann man sich solche seltenen Momente ruhigmalohne wahren.

Und man darf auch auf keinen Fall vergessen, egal ob es so scheint, dass eine Band mega erfolgreich ist und die Konzerte immer ausverkauft sind – sie verdienen damit nunmal ihr täglich Brot und müssen davon leben. Das ist weniger selbstverständlich als man so denkt und deshalb bin ich auch immer ein Verfechter davon, CDs noch original zu kaufen und den Künstler, den man mag damit zu unterstützen und auch wert zu schätzen.

Spotify oder ähnliches schön und gut, ich benutze es auch sehr gerne und freue mich, wenn dort neue Alben online sind, aber man darf nicht vergessen, was alles dahinter steckt.

Letztendlich war das Konzert Wahnsinn, nach dem paralysierenden Intro war ich wieder voll drin – Trance pur. Und das wahrscheinlich nicht zuletzt weil man nicht ständig Handys und Blitzlichter gesehen hat und jeder einfach mitgemacht hat und gefangen war in der Musik.

Nicht nur wegen seiner großartigen Texte und der eingängigen Musik, sondern weil er so ein umfassender Künstler ist, der sich selbst immer treu bleibt und sein Ding durchzieht, verehre ich den selbst ernannten Gothic-Novel- Rocker mittlerweile sehr.

Mit dem nachfolgenden Text kann ich mich besonders gut identifizieren & falls du dies jemals lesen solltest – danke ASP, dass du dieses Meisterwerk erschaffen hast!

Scharen von Engeln stürzen taumelnd in ein Meer aus Harz
Und verstricken sich in transparentem Gold.
Einst waren ihre Flügel weiß wie Schnee, die Augen schwarz,
Nun hören sie nicht mehr, wie der Donnerhimmel grollt.

Sie versuchen noch zu schwimmen,
Zuckende Leiber, so weit das Auge reicht.
Schon verstummen die ersten Stimmen,
Bis das Schreien endlich Totenstille weicht.

Keine Gründe.
Keine Sünde.
Kein Erbarmen. Kein Flügelschlag.
Weder Vergebung
Noch Wiederbelebung,
Weil sie keiner zu retten vermag.
Und im heiligen Schein
Sind sie doch ganz allein,
Konserviert bis zum jüngsten Tag
Im Stein.

 Manchmal, wenn nachts der Sturm selbst tiefstes Wasser noch aufwühlt,
Die Sonne blass und gelb im Morgennebel glüht,
Dann werden die umhüllten Wesen an den Strand gespült,
Und tausend Fragen drücken Findern aufs Gemüt.

Eingeschlossen wie Insekten,
Erstarrt bewahrt in endlos langer Qual.
Die Perfekten, Unbefleckten,
Waren sie doch nicht die erste und die bessere Wahl?

Keine Gründe.
Keine Sünde.
Kein Erbarmen. Kein Flügelschlag.
Weder Vergebung
Noch Wiederbelebung,
Weil sie keiner zu retten vermag.
Und im heiligen Schein
Sind sie doch ganz allein,
Konserviert bis zum jüngsten Tag
Im Stein.

Doch zuvor kam
Ungehorsam,
Dann Erstaunen und Furch im Gesicht.
Weder Vergebung
Noch Wiederbelebung.
Konserviert bis zum jüngsten Gericht.
Und im heiligen Schein
Sind sie doch ganz allein,
Bis Erlösung folgt oder auch nicht
Vom Sein.

Und nun trägst du ein angeschwemmtes Bruchstück auf der Haut,
An einer Kette auf der zarten, warmen Brust.
Nur eine Feder zeugt noch von dem Leiden, gut verstaut,
Du bist dir bloß der Schönheit dort im Stein bewusst.

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